Autor:innen:
Harutyun Yagdjian | Leibniz-Institut für Verbundwerkstoffe GmbH (Kaiserslautern, DE) | Kaiserslautern | DE
Julien Lecompagnon | Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) (Berlin, DE) | Berlin | DE
Philipp Daniel Hirsch | Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) (Berlin, DE) | Berlin | DE
Mathias Ziegler | Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) (Berlin, DE) | Berlin | DE
Martin Gurka | Leibniz-Institut für Verbundwerkstoffe GmbH (Kaiserslautern, DE) | Kaiserslautern | DE
Das Thermal Shock Response Spectrum (TSRS) wird als neuartige, modellbasierte Post-Processing-Methode für die Infrarot-Thermografie (IRT) vorgestellt. Die Methodik basiert auf einer konzeptuellen Analogie zur mechanischen Shock-Response-Spektralanalyse (ISO 18431) und ermöglicht eine frequenzselektive Auswertung transienter thermischer Vorgänge. Die Einführung eines thermischen Q-Faktors, ähnlich der Resonanzschärfe (Q-Faktor) eines mechanischen Oszillators, sowie einer charakteristischen Frequenz, dessen Optimierung mithilfe stochastischer Sampling-Methoden wie Latin Hypercube Sampling erfolgt, resultiert in einem frequenzselektiven, physikalisch fundierten TSRS-Verfahren zur thermischen Signalverarbeitung bzw. Defekterkennung. Im Fokus der Untersuchung steht die methodische Entwicklung, algorithmische Optimierung und experimentelle Validierung der TSRS-Methodologie – insbesondere mit Ausblick auf zukünftige Anwendungen in der zerstörungsfreien Prüfung von Bauteilen aus Faserverbundwerkstoffen und potenziell auch im Rahmen von Impactversuchen. Die experimentelle Validierung wurde an einer CFK-Platte mit künstlich integrierten Defekten an sechs unterschiedlichen Tiefen durchgeführt. Im Hinblick auf die Unterstützung automatisierter, bildgestützter Erkennung von Defektkonturen wurde ein neuartiger, auf Bildrotation basierender Kontursuchalgorithmus entwickelt. Dieser zeichnet sich durch eine bessere Performance im Vergleich zu gängigen Kontursuchalgorithmen wie „Canny Edge“ und „Snakes: Active Contour Models“ aus. Es wurde ein quantitativer Vergleich zwischen TSRS und etablierten IRT-Auswertemethoden wie Pulse Phase Thermography (PPT), Thermographic Signal Reconstruction (TSR) und Modified Differential Absolute Contrast (MDAC) auf Basis des Tanimoto-Kriteriums und der Signal-to-Noise-Ratio durchgeführt. Zusätzlich zur praxisnahen Anwendung wurden unterschiedliche Wärmequellen (Laser, Xenonblitz) und variierende Pulsformen untersucht, wodurch die methodische Robustheit der TSRS bei realen thermischen Szenarien evaluiert werden konnte.